TP 1: Europäisierung des Hochschulraums zwischen globaler Wissensgesellschaft und nationalen Traditionen

2. Projektphase

Mit der Öffnung der nationalen, in sich hierarchisch strukturierten akademischen Felder ist gleichzeitig eine Europäisierung des akademischen Kapitalismus verbunden: Die zuvor vor allem national vermittelte Ungleichheit zwischen Forschern, Disziplinen und Universitäten wird zunehmend zum Gegenstand eines europaweiten institutionellen Leistungsvergleichs mit einigen wenigen, global sichtbaren Gewinnern. Der theoretische Mehrwert der bisherigen Projektarbeit liegt in einer transnationalen Konzeption des akademischen Feldes im Feld der Macht, was empirisch eine horizontal angelegte, komparative Perspektive auf nationale Spezifika ermöglicht, aus der heraus der Prozess der symbolischen Schaffung des europäischen Hochschulraums  erst verstanden werden kann. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass sich auf Mikro- und Mesoebene schon vielfältige Strategien transnationaler Karrierewege und Drittmittelkooperationen entwickelt haben, die auf eine stärker europäisierte wissenschaftliche Arbeitsweise hinweisen. Die mitunter konflikthafte Genese eines europäischen Hochschulraums muss im Anschluss an die bisherigen Ergebnisse spezifischer analysiert werden, insbesondere im Hinblick auf transnationale akademische Migration, Ungleichheitseffekte des „brain-drain" und die Entstehung einer europäischen Elite.

Personen

Prof. Dr. Richard Münch
Head of Subproject 1
Zeppelin University Friedrichshafen
Dipl.-Soz. Christian Baier
Researcher in Subproject 1
Zeppelin University Friedrichshafen
Stephanie Beyer
Researcher in Subproject 1
Zeppelin Universität Friedrichshafen
Dipl.Soz. Vincent Gengnagel
Researcher in Subproject 1
Zeppelin University Friedrichshafen
Dipl.Soz. Nilgun Massih-Tehrani
Researcher in Subproject 1
Zeppelin University Friedrichshafen

1. Projektphase

Im Wettbewerb um wissenschaftlich-technischen Fortschritt und wirtschaftliche Innovationsdynamik in der globalen Wissensgesellschaft entsteht ein europäischer Hochschulraum, der neue Formen von Konkurrenz zwischen Hochschulen hervorbringt und in nationale Kontexte hineinstrahlt und diese verändert. Auf der europäischen Ebene ringen die erfolgreichsten Hochschulen mit Expertennetzwerken und politischen Akteuren um Definitionsmacht über gültige Kriterien für Exzellenz in Bildung und Forschung. Zugleich entbrennen in nationalen Feldern Kämpfe zwischen Europäisierungsgewinnern und -verlierern. Im Zuge dieses Prozesses verschärfen sich materielle und symbolische Ungleichheiten in nationalen Hochschulräumen, während europaweit Unterschiede abgebaut werden. Das Projekt untersucht im Zeitverlauf sowie im nationalen und Mehrebenen-Vergleich, wie Öffnungs- und Schließungsprozesse auf diesen beiden Ebenen ineinandergreifen, neue Allianzen und Konfliktlinien hervorbringen und in materieller und symbolischer Hinsicht die Gestalt der nationalen und europäischen Hochschulräume sowie der Universität als Institution prägen. Nationale Dynamiken werden anhand von Deutschland, Großbritannien und Schweden nachgezeichnet, parallele Analysen zum europäischen Hochschulraum beleuchten die transnationale Einbettung nationalen Wandels.