TP 2: Auf dem Weg zu einem europäischen Asylverwaltungsfeld?

Zweite Projektphase (2015-2018): Dynamiken länderübergreifender Kooperation

In der zweiten Projektphase werden wir die arbeitsteilige Verwaltung von Flucht und Asyl zwischen verschiedenen nationalen Behörden genauer analysieren. Hierbei richten wir den Blick auf konkrete Verfahren und Instrumente der Kooperation (bspw. Personalaustausch, Amtshilfen). Unser Ziel ist es, die Strukturen und Prozesse transnationaler Verwaltungspraktiken quer zu den einzelnen Mitgliedsländern zu identifizieren und zu analysieren. Dabei nehmen wir an, dass bürokratische Praxis zwar vor Ort in einen je spezifischen (nationalstaatlichen) Kontext eingebunden ist, aber angesichts behörden- und länderübergreifender Kooperationen einen transnationalen Eigensinn entwickelt. Die Forschungsarbeiten werden sich dabei vor allem für wechselseitige Verantwortlichkeiten, strukturelle Widersprüche und Konflikte des Asylverwaltungshandelns in Europa interessieren.

Personen

Prof. Dr. Christian Lahusen
Head of Subproject 2
University of Siegen
Prof. Dr. Karin Schittenhelm
Head of Subproject 2
University of Siegen
Carolin Nieswandt
Researcher in Subproject 2
University of Siegen
Marius Wacker
Researcher in Subproject 2
University of Siegen
Stephanie Schneider
Researcher in Subproject 2
University of Siegen

Erste Projektphase (2012-2015): Harmonisierung der Verwaltungspraxis

Während der ersten Projektphase haben wir uns auf das Training Curriculum des Europäischen Unterstützungsbüros für Asylfragen (EASO) konzentriert, um mehr über die Prozesse und Grenzen europäischer Bestrebungen der Koordinierung und Harmonisierung zu lernen. Das EASO Training zielt auf eine Verbesserung der Qualität, Effizienz und Standardisierung von Verfahren und Entscheidungen europäischer Asylbehörden ab. Unsere Forschungsarbeiten waren darauf ausgerichtet, die konzeptionelle Entwicklung des EASO Training Curriculums auf europäischer Ebene und ihre praktische Umsetzung in einer Reihe von Mitgliedstaaten zu analysieren. Im Hinblick auf letzteres haben wir die Verwaltungspraxis in Schweden und Deutschland analysiert und verglichen.

Unsere bisherigen Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild. Auf der einen Seite hat das GEAS einen neuen rechtlichen und politischen Rahmen für bürokratisches Handeln etabliert. Verwaltungsangestellte haben bestätigt, dass Asyl ein gemeinsamer Problembereich geworden ist, der eine koordinierte Problemlösung mit der gegenseitigen Verantwortung erfordert. Auf der anderen Seite sind wir von einer linearen Konvergenz der Verwaltungspraxis weit entfernt, denn die Verwaltungspraxis ist nach wie vor durch erhebliche nationale Unterschiede und Pfadabhängigkeiten gekennzeichnet.

Forschungsansatz

Um die genannten Ziele für die zweite Forschungsphase zu erreichen, werden wir einen Arbeitsplan umsetzen, bei dem qualitative Methoden der Sozialforschung zum Einsatz kommen.

  • Erstens werden wir die arbeitsteiligen Strukturen der Verwaltung von Flucht und Asyl im Rahmen des GEAS (z.B. Größe und Personalstruktur der Asylbehörden in unterschiedlichen Mitgliedsländern, Fallmengen, Entscheidungen, sowie Art und Umfang der behördenübergreifenden Kontakte etc.) durch ein systematisches Mapping vorhandener Daten und ergänzender Experteninterviews analysieren.
  • Zweitens werden wir die inhärenten Konflikte der Verwaltungspraxis analysieren, indem wir die strukturellen und prozeduralen Spannungen zwischen nationalen Behörden, die Auswirkungen öffentlicher Debatten von Nicht-Regierungs-Organisationen (NROs) und öffentlicher Medien über die öffentliche Verwaltung auswerten.
  • Drittens werden wir behörden- und länderübergreifende Verwaltungsabläufe mithilfe einer ‚multi-sited ethnography‘ untersuchen.