TP 6: Arbeitsbeziehungen in Europa

Im Teilprojekt 6 fragen wir nach den begünstigenden und hinderlichen Faktoren für die transnationale Koordinierung der Lohn- und Arbeitspolitik vor dem Hintergrund der makroökonomischen Ungleichgewichte in der Eurozone und dem neuen Rahmenwerk der Europäischen Wirtschaftspolitik als Reaktion auf die Wirtschafts- und Währungskrise der Europäischen Union. Da im Euroraum Währungsabwertungen als wirtschaftspolitisches Instrument nicht mehr zur Verfügung stehen, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit eines Landes zu verbessern, hat sich der Druck auf nationale Institutionen der Lohnfestlegung erhöht. Während die transnationale Koordinierung der nationalen und sektoralen Lohnpolitiken zur Verringerung makroökonomischer Ungleichgewichte beitragen könnte, haben sich gleichzeitig die institutionellen Voraussetzungen für eine europäische Lohnkoordinierung durch die invasiven Eingriffe der Troika in die nationalen Arbeitsbeziehungen der Länder mit Leistungsbilanzdefiziten und hoher Staatsverschuldung verschlechtert.

In diesem Projekt wollen wir die Möglichkeiten und Grenzen einer transnationalen Koordinierung der Lohnpolitik untersuchen. Es werden jene sozialen Mechanismen untersucht, die zu arbeitspolitischer Koordinierung oder deren Unterbleiben auf transnationaler Ebene beitragen. Unser Fokus auf transnationale Formen der tariflichen Koordinierung erfordert ein genaueres Verständnis von verschiedenen Formen der Lohnkoordinierung. Wir fokussieren daher auf Länder und Sektoren, die sich im Sinne eines ‚most different systems‘-Designs unterscheiden, das sind Italien einerseits und Österreich, Deutschland andererseits, sowie der Metallsektor und der Sektor der sozialen Dienste. Österreich und Deutschland bilden wiederum historisch interessante Fälle im Sinne eines ‚most similar systems‘-Designs. Während in Österreich intakte Institutionen der Lohnkoordinierung bestehen, sind in Deutschland stärkere institutionelle Erosionstendenzen zu verzeichnen.

Prof. Dr. Susanne Pernicka
Head of Subproject 6
University of Linz
Dr. Vera Glassner
Head of Subproject 6
University of Linz
Dr. Torben Krings
Researcher in Subproject 6
University of Linz
Dr. Klaus Neundlinger
Researcher in Subproject 6
University of Linz
Nele Dittmar
Researcher in Subproject 6
University of Linz

1. Projektphase

 

Arbeitsbeziehungen in Europa

Im Zentrum dieses Teilprojekts steht die Frage, wie nationale Gewerkschaften strategisch auf die Herausforderungen der wirtschaftlichen und politischen Europäisierung und die zunehmende transnationale Mobilität von Kapital und Unternehmen reagieren. Dabei werden aus einer international-vergleichenden Perspektive jene (trans-)nationalen Strategien von Gewerkschaften in den Blick genommen, die eine horizontale Europäisierung von Regulierungsmustern begünstigen oder beeinträchtigen. Im Fokus steht die Europäisierung von tariflichen und arbeitsrechtlichen Standards. Eine zentrale Annahme lautet, dass die Europäisierung arbeits- und lohnpolitischer Regulierung (Einflusslogik) in Widerspruch mit der nach wie vor national verankerten Gewerkschaftsbewegung (Mitgliedschaftslogik) gerät. Abhängig von den vorhanden Machtpotenzialen (strukturelle, assoziative und institutionelle Macht) sowie den Wahrnehmungen und Identitäten der nationalen gewerkschaftlichen Akteure erwarten wir eine Variation in Ausmaß und Form horizontaler Europäisierungsprozesse. Es sollen Fallstudien in zwei Branchen (Metall/Automobil und Krankenhäuser) und drei Ländern (Deutschland, Polen, Großbritannien) durchgeführt werden, die sich hinsichtlich ihrer sozioökonomischen, institutionellen und akteursspezifischen Rahmenbedingungen unterscheiden, um deren Auswirkungen auf (trans-)nationale Strategien nationaler Gewerkschaften zu untersuchen.

Forschungsbericht